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von Beiträgen, die nach Einstellung der Druckausgaben bereits im Internet erschienen sind.

Segelkunstflug

aktuell: Segelkunstflug-Weltmeisterschaft 2016

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DAeC-Wettbewerbsblog zu Segelkunstflug-WM

Berichte zu früheren Segelkunstflug-Weltmeisterschaften (WGAC und WAGAC)

(wird noch bearbeitet und ergänzt)


Links zur WGAC 2013:

frühere Berichte im "aerokurier" (2011, 2012):

Bericht WGAC 2011 in Torun, Polen
Bericht WGAC 2012 in Dubnica, Slowakei
Bericht WGAC 2013 in Finnland
(wird fortgesetzt)


Bericht von Karl Berger von der Segelkunstflug-WM 2013 in Oripää, Finnland

Fotos: Team Germany (Eugen Schaal, Markus Pönicke).

Eugen Schaal wiederum Weltmeister

Eugen Schaal verteidigte erfolgreich seinen WM-Titel und weitere zwei Medaillen fürs DAeC-Team: Markus Feyerabend Bronze in der Unbekannten Pflicht und Vierter der Gesamtwertung, Silber für Robin Kemter in der Kür der Advanced sowie Silber in der Unlimited-Mannschaftswertung - nur drei Punkte fehlten auf den Sieg!

Siegerehrung

Mannschaftssilber für (v. l.)
Hans-Georg Resch, Kür-Weltmeister Eugen Schaal und (Bronze in der Unbekannten Pflicht) Markus Feyerabend

Dies ist die wiederum äußerst erfreuliche Bilanz der deutschen Segelkunstflieger bei der Segelkunstflug-WM, der 16. in der Unlimited-Kategorie, der 4. in der Advanced, die beide wieder gemeinsam ausgetragen wurden, diesmal am Flugplatz Oripää in Finnland, nordöstlich von Turku, unter überaus ungünstigen Wetterbedingungen. Wind, Kälte, Regen und tiefe Wolken kennzeichneten diese WM, dazu kam noch eine für Weltmeisterschaften schlechte und ungenügende Infrastruktur und Organisation am Flugplatz, inbegriffen den Schleppbetrieb und die Auslegung und Kennzeichnung der „Box“, des Kunstflugraumes.

Nach der Eröffnung am 18. Juli konnte erst zwei Tage später erstmals geflogen werden, danach wieder vier Tage Wetterpause mit Abwarten und Verschiebungen. Nachdem nun nur noch drei bis vier Tage bis zum Ende der WM blieben und man kaum vom Fleck gekommen war, stellten sich bereits Zweifel ein, ob es überhaupt noch eine wertbare WM geben könnte. Die Tageslänge des finnischen Sommers wurde nun voll ausgenützt, Briefing ab 5 Uhr früh und auch am Abend so lange wie möglich fliegen, bis etwa 22 Uhr, harte Bedingungen sowohl für die Piloten wie vor allem auch für die Punkterichter. Dann brachte der Freitag einen ganzen Tag lang doch noch schönes Flugwetter, und damit war die WM für die Unlimited erfolgreich abgeschlossen, die Advanced-Piloten flo-gen den Rest noch Samstag früh, Siegerehrung und Abschlussfeier wie geplant am Samstagabend, dem 27. Juli.

In den Ergebnissen gab es dann einige Überraschungen. Vor allem war es ungewöhnlich, den siebenfachen Gesamtweltmeister Jerzy Makula, Polen, zusammen mit seinem Sohn Stanislaw in der Kür am Ende der Wertung zu sehen: Die beiden Makulas flogen eine neue Kür, die viel zu schwierig war und zuviel Höhe verbrauchte. Jerzy Makula nullte eine Figur und flog danach weitere zwei bis drei Figuren in die falsche Richtung, als er dies merkte, unterbrach er, suchte die richtige Richtung, sammelte dabei jede Menge Strafpunkte und war letztlich zu tief, um alle Figuren fliegen zu können. Dennoch schafften die Polen, durch den Ausfall der Franzosen am letzten Wertungstag, den dritten Platz der Mannschaftswertung. Besser lief es bei den Polen in der Advanced, wo Slawomir Talowski zweimal Silber holte und die Mannschaft (mit Talowski und zwei Pilotinnen) Gold, in der Unlimited ebenfalls Silber und Bronze für Maciej Pospieszynski, den Gesamtweltmeister des Vorjahres.

Bei den Franzosen holte Benoit Merieau, der Advanced-Weltmeister und Abräumer in der Advanced von 2011 in Torun, hinter Eugen Schaal zwar Silber in der Kür, seine beiden Kameraden aber gaben Forfait, d. h. sie traten wegen mangelnder Fitneß (Schlafentzug) nicht mehr zum letzten Programm an. Besser erging es dan Franzosen in der Advanced, dort gab’s für Nicolas Honnons Silber in der Unbekannten und Gold in der Kür.

Ein absoluter Erfolg der Russen, die mit Vladimir Ilinskiy und Georgy Kaminskiy nur zwei Piloten am Start hatten (keinen in der Advanced), diese beiden aber Gold und Silber in der Gesamtwertung erflogen, dazu noch Gold und Bronze in der Bekannten Pflicht und Kaminskiy dazu noch Bronze in der Kür. Hätten sie einen dritten Mann/Frau noch zum Einsatz gebracht, wäre ihnen der Mannschaftssieg sicher nicht zu nehmen gewesen. Erstaunlich daher, dass die Russen, die in der Vergangenheit auch sehr große Teamstärke bewiesen, hier von vornherein darauf verzichteten.

Dasselbe bei den Ungarn, die ebenfalls nur zwei Mann an den Start brachten: Ferenc Toth in der Vollakro und Jozsa David in der Advanced. Für beide gab es Medaillen: für Toth Gold in der Unbekannten, für David Bronze in der Kür (hinter Kemter).

Für die starken Tschechen Gold in der Mannschaft der Unlimited, nur drei Punkte vor den Deutschen, für Miroslav Cervenka Silber in der Bekannten Pflicht, in der Advanced Bronze für Jan Rolinek in der Unbekannten und Michal Cechmánek in der Bekannten Pflicht.

Wieder sehr stark die Schweden in der Advanced, Johan Gustafsson holte sich wie schon bei der ersten Advanced-WM den Gesamtweltmeistertitel und dazu noch zwei weitere Goldene in den beiden Pflichtprogrammen, Daniel Ahlin Bronze in der Gesamtwertung.

Für die im Vorjahr in der Advanced dominierenden Italiener gab es diesmal „nur“ Mannschaftsbronze und keine weiteren Medaillen, in der Vollakro waren sie diesmal nicht am Start.

Die Flugzeuge

Die Schweden, die mit den Finnen große Verfechter zur Einführung der Advanced waren, und damit vor allem auch wieder Piloten, denen nur ältere Flugzeugtypen zur Verfügung standen, eine Wettbewerbschance geben wollten, wurden in dieser Philosophie wieder voll bestätigt. Gustafsson, der seinen ersten WM-Titel auf einer Pilatus B-4 erflog, gewann diesmal auf SZD-59 Acro und Ahlin erflog seine Medaille sogar auf einem Uralt-Salto gegen die Phalanx der „Supervögel“! Denn ansonsten wurde neben einigen weiteren SZD-59 Acro auch in der Advanced durchwegs auf Swift S-1 und MDM-1 Fox geflogen. Markus Pönicke vom deutschen Team war auf einer Lo-100 mit dabei. In der Unlimited waren durchwegs Swift S-1 am Start mit zwei Ausnahmen: der Mü28 geflogen von Ulrich Hülsmann und dem MDM-1 Fox von Jerzy Makula.

Swift S-1

Swift S-1 (Markus Feyerabend)

Ein spezieller Fall war die „Sissi“ („Sissi“, weil sie „wie eine Prinzessin fliegt“), der österreichische Swift S-1 OE-5554. Hier hatten sich acht Piloten aus vier Nationen (der Engländer Richard Brown, der Italiener Sasha Marvin, die Deutschen Tobias Hackel, Nicolas Söhner, Dirk Maslonka, Eberhard Holl und Robin Kemter sowie der Österreicher Siggi Mayr) zu einem Kooperationsteam zusammengeschlossen, die sich die Transportkosten für Finnland teilten und sich so die Teilnahme an der WM ermöglichten. Und schließlich schnitt dieses „Team“ auch hervorragend ab, es gab gute Placierungen für das Team und auch eine Medaille (Silber in der Kür für Robin Kemter).

Sissi-Piloten

Die „Sissi“-Piloten: Richard Brown GB, Sasha Marvin I,Tobias Hackel D, Nicolas Söhner D, Siggi Mayr A, Dirk Maslonka D, Eberhard Holl D, Robin Kemter D

Und gerade dieses Flugzeug trug durch die schlechte Beschaffenheit des Flugplatzes gleich zu Beginn einen Fahwerksschaden davon, der dann durch die Hilfe des polnischen Teams in nächtlicher Arbeit repariert werden konnte: alles in allem ein Musterbeispiel internationaler Segel- und Kunstfliegerkameradschaft. Ohne diese Hilfe wären alle acht Piloten zum Zuschauen verurteilt gewesen. Man bedankte sich dann auch mit einer abendlichen Grillparty bei den Polen und das ganze hatte zur Folge, dass dann die Asphaltpiste auch von den Segeflugzeugen benutzt werden durfte, was zuvor verboten war.

Auch ein großer persönlicher Erfolg für Siggi Mayr

Für Siggi Mayr selbst, diesmal als einziger Österreicher am Start der WM, ein hervorragender persönlicher Erfolg, er flog sich mit einem neunten Rang in der Kür und einem fünften Platz in der Unbekannten Pflicht unter die Weltbesten der Unlimited.

DAeC-Team

Die wiederum sehr erfolgreiche deutsche Mannschaft bei dieser WM
stehend v. l.: Eugen Schaal, Hans-Georg Resch, Markus Pönicke, Robin Kemter, Eberhard Holl, Ulrich Hülsmann;
kniend v. l.: Nicolas Söhner, Markus Feyerabend, Dirk Maslonka, Tobias Hackel

Wie es den deutschen Fliegern bei dieser WM erging, schildern sie in den nachfolgenden Interviews.

Markus Feyerabend, Dritter der Gesamtwertung und Teamchef:

Als Teamchef der deutschen Unlimited-Nationalmannschaft freut es mich ganz besonders, dass wir dieses Jahr den sehr guten 2. Platz erringen konnten. Wir mussten uns nur um 3 Punkte den starken Tschechen geschlagen geben. Ebenso freut mich, dass wir doch noch in beinahe letzter Minute eine gültige WM einfliegen konnten, da es bis weit in die zweite Hälfte des Wettbewerbes so aussah als ob uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen würde.

Selbstverständlich ist eine WM mit nur drei Wertungsdurchgängen nicht so aussagekräftig als wenn alle sechs Durchgänge komplett geflogen worden wären und kleine Fehler oder Pech schlägt sich in den Resultaten sehr viel stärker nieder. Grund zu jubeln hatten wir schon nach dem zweiten. Durchgang (der Kür), in der es Eugen Schaal gelang, seinen Weltmeistertitel vom Vorjahr zu verteidigen. Auch in der Gesamtwertung lag er zu diesem Zeitpunkt noch hervorragend positioniert auf Platz 3. In der Unbekannten Pflicht erwischte ihn allerdings das Pech und er handelte sich 70 Penalties wegen Unterschreitung der 250m Linie ein. Noch schlimmer erwischte es Hans-Georg Resch in der Kür, er bekam sogar 2x "low" und damit 140 Strafpunkte, was ihn leider weit nach hinten geworfen hat. Tobias Hackel zeigte auf seiner zweiten WM durchwegs solide Leistungen und platzierte sich im Mittelfeld. Ulrich Hülsmann hatte es da schon etwas schwerer, seine Mü-28 hat im Unlimited-Kunstflug einige Nachteile (speziell beim Reissen und Stossen) und das Flugbild ist den Punktrichtern nahezu ausnahmslos unbekannt, was ihm etwas schlechtere Noten einbrachte als er es verdient gehabt hätte. Aufgrund des Wetters mussten wir in der Unlimited die letzten drei Tage vor Wettbewerbsende jeweils schon um 5 Uhr zum Briefing, was letztlich dazu führte, dass beim driiten Programm zwei französische Piloten aufgrund Übermüdung und aus Sicherheitsgründen auf ihren Start verzichteten.

Froh bin ich auch, dass trotz des andauernden schlechten Wetters bis zur Hälfte des Wettbewerbs zu keiner Zeit so etwas wie Lagerkoller aufkam oder die Stimmung zu kippen drohte. Insbesondere, da man leider auch sagen muss, dass die Organisation des Wettbewerbs sowie die Infrastruktur auf dem Flugplatz unsere Erwartungen sowie die im Vorfeld gemachten Versprechungen bei weitem nicht getroffen hat. Es mag hart klingen, aber der Wettbewerbsleiter hatte leider bei weitem nicht die nötige Kompetenz und know-how, um den Wettbewerb souverän zu führen und glänzte während des Flugbetriebs leider überwiegend durch Abwesenheit. Hätte nicht Manfred Echter als Chef der International Jury (deren eigentliche Aufgabe es ist, die Einhaltung der Regeln zu überwachen) immer und immer wieder auf den Wettbewerbsleiter eingewirkt oder gar selbst Entscheidungen getroffen, bin ich sicher, dass wir zumindest in einer Klasse ohne die nötigen drei Durchgänge und damit ohne gültige WM wieder abgereist wären. Auch Philipp Küchler, der Chefschiedsrichter, hat mit Vorschlägen und Eigeninitiative dazu beigetragen, die WM einzufliegen, wenn wir uns auf den Ausrichter verlassen hätten, wäre wir im wahrsten Sinne des Wortes verlassen gewesen. Das deutsche Team war geschlossen am Flugplatz untergebracht. Die dortige Infrastruktur, insbesondere die sanitären Einrichtungen (drei Duschen und drei Toiletten, die sich beide Geschlechter teilen mussten) rechtfertigten den Preis in keinster Weise. Dass Finnland im Vergleich zu Ländern des ehemaligen Ostblocks generell recht hochpreisig ist steht ausser Zweifel, jedoch rechfertigt der Preis den aufgebrachten Aufwand in keinster Weise. Rechnet man dann noch die für die aller-meisten teilnehmenden Nationen sehr lange und beschwerliche Anreise mit teuren Fähren über die Ostsee hinzu, komme ich zum Schluss, dass dies mit Ausnahme von Russland 2005 die für mich wohl teuerste WM bisher war.

Persönliches Fazit:

Mit meinem Gesamtergebnis (Platz 4) bin ich sehr glücklich, insbesondere, da ich nach dem ersten Durchgang nur auf Platz 12 lag. Durch eine falsche Positionierung handelte ich mir fast 60 Strafpunkte ein, noch dazu misslang der Rollenkreis. In Kür und Unbekannter gelang es mir jedoch, mich mit zwei grossen Sprüngen nach vorne zu fliegen. Unterstützt wurde ich dabei, dass einige andere Piloten (darunter auch Favoriten wie Jerzy Makula und Ferenc Toth) Fehler machten und in der Wertung weit nach hinten rutschten. Froh bin ich auch, dass es mir erneut gelungen ist, in meiner Lieblingsdisziplin (den Unbekannten) aufs Podium zu fliegen, insbesondere, da das zu fliegende Programm aufgrund der Positionierung und des recht hohen Energieverbrauchs nicht einfach zu fliegen war. Selbstverständlich freut es mich auch sehr, mit meinen Freunden und Teamkameraden Eugen Schaal und Hans-Georg Resch Silber in der Mannschaftswertung gewonnen zu haben (erstmals wieder seit 2007).