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Segelkunstflug-WM 2013 in Oripää, Finnland - Fortsetzung

Beginn / 1. Teil des Berichtes hier

Eugen Schaal, Kür-Weltmeister

Meine Impressionen aus Finnland. Ich bin, wie eigentlich jedes Jahr, ohne konkrete Zielsetzung auf eine Platzierung zur WM gefahren. Arbeits- und wetterbedingt konnte ich im Vorfeld der WM nur sehr wenig trainieren. Da man vorher den Trainingsstand der Konkurrenz nicht kennt, ist eine Standortbestimmung vorher ohnehin schwierig. Die Platzierung in der Bekannten Pflicht war mit Platz 8, also im vorderen Mittelfeld, für mich zufriedenstellend, da die Bekannte Pflicht ohnehin nie meine ganz gro´ße Stärke war, aber ein möglichst geringer Punkteabstand nach vorne natürlich immer eine gute Basis für die folgenden Programme bildet. Platz 1 in der Kür war natürlich sehr erfreulich, ich habe nicht damit gerechnet, den Erfolg des Vorjahres gleich wiederholen zu können. Die Unbekannte Pflicht war insgesamt recht anspruchsvoll. Zwar waren die einzelnen Figuren für sich nicht besonders schwierig, in der Summe jedoch ergab sich ein recht großer Höhenverbrauch, und die Positionierung in der Box war auch entscheidend. Leider haben mir am Ende ein paar Meter Höhe gefehlt, und ich bin ganz knapp in den Höhenpieper bei 250m (wir flogen aufgrund der Bäume unter der Box mit einem Limit von 250m anstelle 200m) geflogen. Die 70 Strafpunkte haben mich leider eine vordere Platzierung in der Gesamtwertung gekostet. Das ist einerseits ärgerlich, andererseits sind das eben die Regeln, und die Punkte werden erst ganz am Ende zusammengezählt. Und so habe ich noch Steigerungspotential für die folgenden Weltmeisterschaften, das ist auch ein Anreiz.

Mond

Sonnenaufgang

Frühaufstehen und spät schlafen gehen hieß es im Endspurt der WM:
Startvorbereitung bei Mondschein und Sonnenaufgang beim Briefing

Finnland als Ausrichter der WM war durchaus aufwendig hinsichtlich der Anfahrt, sowohl im Zeitaufwand als auch bei den Kosten. Mit Auto und Fähre waren wir aus der Mitte Europas immerhin zwei Tage unterwegs. Wahrscheinlich nicht zuletzt dadurch waren in der Unlimited nur 19 Teilnehmer vertreten, davon keiner aus Skandinavien. Es wäre sicherlich hilfreich, wenn die CIVA eher zentraler gelegene Ausrichter wählen würde, um einen weiteren Rückgang der Teilnehmerzahlen zu verhindern. Das Wetter war, wie bereits vor dei Jahren bei der EGAC 2010, nicht optimal, wir hatten oft mit zu starkem Wind und auch zu niedriger Wolkenuntergrenze zu kämpfen. Dadurch konnten wir letztendlich leider nur drei Durchgänge fliegen. An drei Tagen hintereinander starteten wir mit dem Briefing bereits morgens um 5 Uhr, um die Zeit vor der Bildung der niedrigen Cumuli zu nutzen. Das ging durchaus an die Substanz, für die Piloten, und sicherlich mehr noch für die Punktrichter. Die Organisation war insgesamt nicht ganz optimal. Z. B. sollten die Segelflugzeuge zunächst, trotz des riesigen Fluggeländes, abseits der Asphaltbahnen landen. Der sandige Untergrund war jedoch recht holprig. Erst nach einem Fahrwerksschaden am österreichischen Swift ließ sich der Contest Director überzeugen, sicherere Flugbetriebsverfahren anzuwenden. Insgesamt konnte man erkennen, dass es dem Ausrichter an Personal mangelte, das Erfahrung in der Organisation vergleichbarer Events hatte. Das Contest Office möchte ich an dieser Stelle allerdings ausdrücklich lobend erwähnen. Durch korrigierendes Eingreifen seitens des Präsidenten der Internationalen Jury und des Chief Judge konnte jedoch verhindert werden, dass wir am Ende ohne gültige Wertung dastanden.

Hans-Georg Resch (Mannschaftssilber, zusammen mit Feyerabend und Schaal)

Nachdem wir während des Trainings noch sehr gutes Flugwetter hatten, konnten wir uns zum Glück noch mehrmals die relativ schlecht markierte Box von oben anschauen. Dies war bei dem zu erwartenden Wind auf alle Faelle von Vorteil. So gelang es mir, mit sehr wenigen Box-Outs durchzufliegen. Mit dem 7. Platz im ersten Programm begann die WM recht gut für mich. Auch in der Kür lief alles nach Plan, bis kurz vor der vorletzten Figur der Höhenpiepser losging. Eigentlich hätte ich lt. Höhenmesser noch 60m Reserve haben sollen. Leider hab ich hier die Hysterese im Steig- und Sinkflug falsch eingeschätzt und fing mir dann auch im Rollenkreis kurz vor dem Figurenende den zweiten Piepser ein. In der Unbekannten war bald klar, dass das Programm extrem höhenkritisch ist. Leider gelang es mir nicht, genügend Speed für die beiden Chinese-Loops mitzunehmen, so dass ich wertvolle Punkte liegen lassen musste. Alles in allem bin ich trotzdem stolz auf meine erste Silbermedaille in der Teamwertung. Auch wenn wir mit knappen 3 Punkten an der Goldmedaille vorbeigeschrammt sind.

Ulrich Hülsmann (Mü28)

Für mich war diese Weltmeisterschaft meine allererste und dementsprechend machte ich mir keine großen Hoffnungen auf eine Platzierung im vorderen Bereich. Für mich war es dennoch ein großes Ereignis, mal bei den „Großen“ mitspielen zu dürfen. Insbesondere, da ich einer der wenigen Teilnehmer ohne Swift war. Stattdessen durfte ich mit der Mü28 der Akaflieg München teilnehmen. Dieser Flieger ist zwar früher schon öfter international geflogenund war schon bei einigen WMs, auch mit prominenten Piloten, dabei, allerdings nicht mehr in den letzten Jahren. So kam ich zu der Ehre der erste Pilot zu sein, der sie nach vierzehn Jahren wieder auf einer Unlimited-WM fliegen durfte.

DAeC-Team

Mü-28

Anspruchsvoll auch die extrem lange Anreise. Aufgrund der hohen Fährpreise wählte ich die Route über Stockholm. Für mich waren das 2000 km Autofahrt bis Stockholm und dann noch mal ein Tag auf der Fähre von Stockholm nach Turku.

Leider sind wir weniger geflogen als gedacht, da das Wetter nicht so mitspielte wie es sollte. Aber der Präsident des finnischen Aero-Clubs erklärte uns ja bereits bei der Eröffnungszeremonie, dass er zwar nicht für gutes Wetter, wohl aber für lange Tage garantieren könnte. Und so mussten wir die letzten drei Tage, als das Wetter endlich mal fliegbar war, bereits vor 5 Uhr aufstehen und fliegen, um noch einen gültigen Wettbewerb erzielen zu können. Der dauernde Schlafentzug ging auch an mir nicht spurlos vorüber und so war ich dann doch froh, als endlich alles vorbei war.

Zusätzlich zum schlechten Wetter war auch noch der Flugbetrieb recht langsam. Hier hätte man sich von Seite des Veranstalters her meiner Meinung nach mehr Mühe geben können.

Platzierungsmäßig bewegte ich mich wie erwartet im hinteren Bereich. In der Bekannten und der Kür jeweils auf Platz 17 und in der 1. Unbekannten auf Platz 16. Bei diesem letzten Programm patzte ich leider bereits in der ersten Figur und mußte dann deshalb wegen Höhenproblemen eine Figur weglassen. In der Gesamtwertung schaffte ich es dennoch noch auf Platz 15.

Das Fliegen in diesem Teilnehmerfeld ist zwar äußerst anspruchsvoll aber war für mich auch sehr lehrreich. Sehr positiv empfand ich auch das äußerst freundschaftliche Verhältnis der verschiedenen Nationen untereinander, insbesondere an den Abenden nach dem Flugbetrieb. Allein schon deswegen würde ich jederzeit wieder auf eine WM mitfahren, das nächste Mal hoffentlich mit besserem Wetter.

Robin Kemter, WM-Neuling mit Silber in der Kür der Advanced

SE Kempter

Robin Kempter: Kür-Silber in der Advanced

Nachdem der Weg nach Finnland erfolgreich absolviert war, kamen wir, meine Freundin und ich, am Abend des 14. Juli 2013 auf dem Flugplatz Oripää an. Da dies meine erste WM-Teilnahme war, herrschte natürlich Neugier, wie solch ein Wettbewerb im Vergleich zu den deutschen Wettbewerben wohl ablaufen würde. Am folgenden Tag, nach militärisch korrektem Briefing, kehrte allerdings schnell Ernüchterung ein. Meiner Ansicht nach, waren die Organisatoren mit den Abläufen eines Kunstflugwettbewerbs doch sehr überfordert. Einzig Hanna und ihren wenigen Helfern ist es wohl zu verdanken, da´ß die WM letztendlich durchgeführt werden konnte. Auch Pik, Manfred Echter und Schorsch Dörder haben hier „hinter den Kulissen“ wohl Schwerstarbeit leisten müssen, um den „Veranstaltungsleiter“ auf halbwegs richtige Bahnen zu lenken. Die Unterkünfte am Flugplatz waren wohl erst kurz zuvor aufgebaut worden, teilweise ohne Licht, manchmal mit, manchmal ohne Kühlschrank. Insgesamt gab es lediglich zwei Duschen, wovon eine jedoch nach 20 Uhr nicht mehr zur Verfügung stand (nur für die wenigen Frauen im Feld) und die andere IN der Sauna war, also bei angenehmen 100°C geduscht werden konnte. Das habe ich zumindest in Deutschland so noch nicht erlebt.

Fliegerisch konnte dann, zumindest nach einem zerstörten Fahrwerk, endlich etwas Ordnung geschaffen werden, einige Stellen wurden eingeebnet und es durfte dann auch auf Asphalt gelandet werden, was uns zu Beginn untersagt wurde. Während des Trainings hatten wir auch noch gut fliegbares Wetter, welches sich jedoch mit Wettbewerbsbeginn änderte. Erst die letzten verbleibenden Tage ermöglichten es glücklicherweise noch, einen gültigen Wettbewerb abzuschließen, für mich mit dem Vize-Weltmeistertitel in der Kür der Advanced-Klasse. Nie hätte ich, in Anbetracht des wenigen Trainings in diesem Jahr, damit gerechnet und darf mich so bei meiner ersten WM gleich über einen Titel freuen.

Insgesamt haben wir jedoch als Truppe eine schöne Zeit gehabt und der Zusammenhalt im deutschen Team, aber auch aller Piloten untereinander, war eine sehr schöne Erfahrung. Abschließend waren sich aber die Piloten doch recht einig, Finnland muß für die nächsten Jahre nicht unbedingt wieder Austragungsort werden..

Nicolas Söhner (15., Vorjahres-Sechster): zu wenig Training und zu viele Box-Outs

Dieses Jahr hat sich ein großer Teil der Advanced-Mannschaft mit neuem Flugzeug, dem Swift der Österreicher, in den Wettbewerb gestürzt. Großer Dank dafür an Siggi Mayr, der uns dies ermöglicht hat.

In Oripää angekommen waren wir erst mal von der doch sehr wenig vorhandenen Infrastruktur und der noch sehr schlecht markierten Box überrascht. Während unserer Trainingstage war es recht windig, allerdings noch gut fliegbar. Leider hat sich das zum Anfang des Wettbewerbs gedreht und so mussten wir die ersten Tage ohne Wertungsflüge ausharren.

Fliegerisch konnte ich, bedingt durch ein neues Flugzeug, zu wenig Training und zu viele Box-Outs in der Kür, meine Erwartungen nicht ganz erfüllen. Dennoch bin ich mit meiner Gesamtplatzierung in der Advanced alles in allem zufrieden.

Eberhard Holl: Misslungenes Männchen kostet Punkte und Plätze

Die Advanced-Klasse hat sich von der Aufsteigerklasse zur eigenständigen Klasse gemausert, in der auf hohem Niveau geflogen wird. Gravierende Fehler werden kaum gemacht und so entscheiden im Hauptfeld kleinste Details in den Figuren oder Boxoutzeiten (2 Strafpunkte pro Sekunde) über die Reihenfolge der Piloten. Misslingt ein Männchen (Tailslide), so wird man weit nach unten in der Rangfolge durchgereicht. Diese schmerzliche Erfahrung musste ich bei meiner zweiten Teilnahme an einer Weltmeisterschaft machen und so ist der 27. Platz von 40 Teilnehmern eher bescheiden gegenüber dem 9. Platz im Jahr zuvor in Dubnica.

Trotzdem ist die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft eine tolle Erfahrung, bei der man viele Tips auch von Unlimited-Piloten bekommt und natürlich auch wegen der sehr herzlichen Kameradschaft über alle Nationalitätsgrenzen hinweg. So haben die Polen das Fahrwerk ihres Reserveswifts zur Verfügung gestellt, als wir einen Fahrwerksschaden an unserem Swift hatten, und uns beim zweifachen Umbau aktiv unterstützten. Ein ganz großes Dankeschön an das polnische Team nochmals an dieser Stelle. Wir haben uns mit einem großen gemeinsamen Grillabend für die Unterstützung bedankt und, wie üblich unter Kunstfliegern, mit viel Bier gefeiert. Aber nur soviel, dass man am nächsten Tag fit für den nächsten Wettbewerbsflug ist! Mein Vorhaben für die kommende Saison ist es, mehr Zeit für das Training zu finden und auch in Unlimited-Programme reinzuschnuppern.

Sissi-Reparatur

Die „Sissi“-Reparatur

Markus Pönicke (Lo-100)

Nach dreimaliger Teilnahme an der DM durfte ich dieses Jahr mit zur WM nach Finnland. Für mich war von vornherein klar, dass ich, wenn ich teilnehme, nur meine Lo-100 fliegen werde. Die vier Kollegen der Advanced haben sich ja für den Swift entschieden.

Beim Blick auf die Landkarte kamen dann erste Zweifel, ob es die Sache wert ist, doch so Ende Februar fiel dann die Entscheidung, teilzunehmen. Nach knapp zwei Tagen Reisezeit sind wir, mein Vater und ich, bei bestem Wetter am Montag vor Beginn in Oripää angekommen. Mittwoch konnte ich dann meinen Trainingsstart machen. Die folgenden sechs Windtage, an denen wir nicht fliegen konnten, haben dann wohl meinen Trainingsstand heruntergefahren, so daß die Bekannte Pflicht nicht gut lief. Mit der Kür war ich absolut zufrieden und konnte die Lo ordentlich präsentieren. Bei der Bekannten Pflicht hat mich eine Unaufmerksamkeit in der ersten Figur aus dem Konzept gebracht, so daß ich in der Wertung noch ein paar Plätze einbüßen musste.

Box

Die „Box“ in Oripää resp. der Flugplatz aus der Sicht Markus Pönickes aus der Lo-100 bei einem Trainingsflug

Jetzt, wo alles zu Ende ist, weiß ich, daß es die richtige Entscheidung war, hier teilzunehmen. Viele haben mein Flugzeug bewundert und sich gefreut, nach Michael Göst wieder eine Lo-100 in den Startreihen zu sehen.

Lo-100

Lo-100

Dirk Maslonka: Dank an den Trainerstab

Insgesamt kann ich aus meiner Sicht nur wenig Erfreuliches über die Segelkunstflug-WM in Finnland berichten. Am allermeisten bin ich infolge meines Desasters in der Kür von mir selbst enttäuscht. Natürlich bin ich nicht der erste, dem ein solcher Fehler unterläuft, doch ist dieser wohl besonders bitter, wenn er nach einem guten halben Jahr der Vorbereitung ausgerechnet in dem Flug passiert, auf den ich mich am meisten gefreut habe; in den ich meine größten Erwartungen gesetzt habe. Damit war unser Minimalziel, Edelmetall in der Nationen-Wertung zu ergattern, dahin. Das nehm ich klar auf meine Kappe

Wirklich bemerkenswert fand ich unseren Team-Geist, unsere Kameradschaft und wie wir uns gegen den Koller infolge der langen Tage des Wartens erfolgreich wehrten. Ich freue mich besonders für Eugen, Maxu und Robin. Letzterem gelang als WM-Debutant fast die Sensation, neuer Weltmeister der Kür in der ADV-Klasse zu werden!

Die restlichen Flüge der deutschen ADV-Piloten waren teilweise zwar sehr solide, ähnlich positive Überraschungen, wie Robin sie in der Kür lieferte, gelangen jedoch nicht.Im Namen des ADV-Teams bedanke ich mich bei all unseren Unterstützern, insbesondere aber unserem Trainerstab aus Walldürn: Ohne das Engagement von Georg "Schorsch" Dörder, seiner Frau, Marina, von Werner Gühring und Wilhelm Düerkop (Salzmann) wäre es um die Förderung des Segelkunstflugs und dessen Nachwuchses in Deutschland deutlich schlechter bestellt. Letztlich bleibt nur noch die von Markus angeführten Kritikpunkte zu bestätigen.




Finnland

Auch das war Finnland . . .


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Links zur WGAC 2013:
offizielle Veranstalter-Webseite
Ergebnisse, Teilnehmerlisten
WM-Blog von Markus Feyerabend
WM-Blog von Dirk Maslonka
Bericht im "aerokurier"

frühere Berichte im "aerokurier" (2011, 2012):
Bericht WGAC 2012 in Dubnica, Slowakei
Bericht WGAC 2011 in Torun, Polen